Besondere Kinder auf dem Skateboard

Projekt AutistaSkates
Autistische Kinder lernen Skaten mit Peter Körffer im Skatepark Oberhausen

Lieslotte Magazin, 09.10.2013

Seit Anfang Juni 2013 gibt es in Augsburg „AutistaSkates”, das ist ein deutschlandweit einmaliges Projekt einer Gruppe von Skatebordern, die den Inklusionsgedanken mit autistischen Kindern umsetzen will. Nachmittage der AutistaSkates finden in einem Skatepark in Oberhausen statt, wo es eine Halfpipe, einen Pool und viele weitere Obstacles gibt – und echte Skater.
Begonnen hatte alles an einem veregneten Frühlingstag, an dem Peter Körffer, ein 42-jähriger Grafiker aus Augsburg, nicht seiner Leidenschaft fürs Longboarden nachgehen konnte — das Wetter war einfach zu schlecht.
Zwangsweise ruhte sein Longboard in der Garage, er selbst klickte sich bei Youtube durch Unmengen von Longboard- und Skateboardvideos. Und dabei stieß er auf eine Dokumentation von Askate.org, einer US-amerikanischen Gruppe von Skatern, die dort autistische Kinder im Skateboarding unterrichtet.
Die Bilder berührten Körffer und er fasste den Entschluss, eine solche Gruppe auch in Augsburg zu gründen. „Ich wusste zunächst ja gar nicht, ob es hier überhaupt autistische Kinder gibt – und ob so etwas medizinisch sinnvoll sein
kann”, so Peter Körffer. Also recherchierte er im Netz und telefonierte mit Organisationen, die sich um die Bedürfnisse autistischer Menschen kümmern. Eine Sprecherin der Selbsthilfegruppe Autismus Augsburg erzählte später beim ersten Treffen, dass sie bei Körffers Anruf zunächst gedacht hatte, dieser Anruf könne auch ein Telefonscherz sein.
Am 28. Juli fand bereits der zweite Augsburger AutistaSkates-Tag statt. Um halb zwei öffnete sich das Metalltor der Bluebox-Skateboardhalle
in Oberhausen. Gefühlte 34 Grad Celsius weichten draußen den Teer auf, aber in der Halle war es verhältnismäßig kühl. Ab 14 Uhr kamen die zehn Kinder, begleitet von Ihren Eltern, an. Alle waren schon das zweite Mal da, daher merkte man ihnen eine gewisse Routine an: Schnell hatten alle Kids Schoner und Helme auf, die von Benjamin Ah, dem Vereinsvorsitzenden der Bluebox-Betreiber Razed e.V. bereitgestellt worden waren.
Und auch die Wahl des richtigen Boards war schnell getroffen,ob es sich nun um ein normales Skateboard oder seinen großen Bruder, das bis zu 1,10 m lange Longboard handelte, wussten sie sehr genau zu entscheiden. Und dann ging es los: Jedes Kind hatte seinen Trainer gefunden, mit dem es die nächsten 90 Minuten Skaten lernen wollte. Am Ende des Nachmittags waren sich alle einig: Trotz der Hitze hat es einen Riesenspaß gemacht. „Unsere Erfahrungen aus zwei Nachmittagen mit diesen außergewöhnlichen Kindern sind großartig und wir wissen, dass wir mit AutistaSkates weitermachen wollen“ sagt Initiator Peter Körffer. Die Finanzierung macht ihm Sorgen, denn auch wenn viele Helfer ehrenamtlich dabei sind, so ist doch die Organisation dahinter zu stemmen, und er hofft, dass er AutistaSkates von Augsburg aus noch in andere Städte bringen kann. Für dieses Ziel sucht er derzeit gezielt nach Spendern.